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MediEvil im Test – Das (beinahe) perfekte Remaster

MediEvil ist ein Meilenstein der Playstation-Ära. Das knuffig-gruselige Abenteuer um den Skelettritter Sir Daniel Fortesque ist Kult und hat deshalb ein lange vorbereitetes Remaster spendiert bekommen. Was das Remaster kann und warum Sony hiermit ein Quantensprung gelungen ist, das klärt der Test.

Die Geschichte von MediEvil ist so klassisch, wie ein Märchen nur sein kann. Wir sind Sir Daniel Fortesque, ein Ritter aus Gallowmere. Nachdem wir den bösen Nekromanten Zarok und seine Dämonenarmee in einer Schlacht besiegt und die Bevölkerung von Gallowmere gerettet haben, so sind wir unseren eigenen Verletzungen erlegen. Aber keine Bange: Wir bekommen eine zweite Chance und erwachen als untoter Ritter im charmanten Gerippe, um dem wieder aufgetauchten Zarok ein zweites Mal zu Leibe zu rücken.

Diese simple, aber wirklich charmante Geschichte verpackt Entwicklerstudio Other Ocean in wunderschön gestaltete Gebiete und witzige und toll gesprochene Dialoge. Die Quest von Sir Fortesque führt uns in die abwechslungsreichen Gebiete des Originals: Wir erleben Friedhöfe, Zauberwälder, verwunschene Städte und sogar ein Irrenhaus.

Es ist absolut unfassbar, was Sony’s Playstation 4 aus alten Titeln rausholt. Während die Playstation 3 auf alte Spiele lediglich HD-Texturen gelegt hat und das Remaster geschimpft hat, so hat die PS4 mit dem grandiosen Shadow of the Colossus bereits gezeigt, was technisch machbar ist. Und die Transformation, die das über 20 Jahre alte MediEvil bekommen hat, beweist endgültig: Sony ist der König des Remasters.

Sämtliche Umgebungen, Gegner und Waffen des Originals wurden beibehalten und überarbeitet, ohne den Charme des Originals zu verlieren. MediEvil versprüht noch immer das wohlige Gefühl alter Tage, das viele von uns kennen. Aber MediEvil für die PS4 lebt nicht bloß von der Nostalgie: Auch neue Spieler, die das Original nicht kennen, können MediEvil als vollwertiges Adventure genießen. Es gibt einfach zu viel zu tun: Die erfrischenden Leveldesigns, abwechslungsreiche Gegner von Zinnsoldaten bis Insassen einer Irrenanstalt – MediEvil ist in seiner Gestaltung dermaßen kurzweilig, dass man den Controller einfach nicht aus der Hand legen kann und will.

Spätestens die Möglichkeit, immer weitere Inhalte freizuschalten, lässt die Motivation nicht absinken. Wir können beispielsweise in jedem Level einen Kelch einsammeln, insofern wir genug Gegner erledigt haben. Mit diesem Kelch bekommen wir in der Heldenhalle neue Waffen und Fähigkeiten, wie Wurfspeere oder einen riesigen Hammer mit Flächenschaden. Das sorgt immer für neue Aspekte im Spiel, die die Kämpfe abwechslungsreich machen. Es ist unglaublich, wie weit MediEvil schon vor 20 Jahren war und wie spaßig das heutzutage noch ist. Hier dürfen sich einige andere Entwickler gerne eine Scheibe von abschneiden.

Other Ocean hat im Remaster das grundlegende Spiel aus dem Jahre 1998 übernommen. MediEvil verwendet auch auf der Playstation 4 das gleiche Kampfsystem wie das Original – samt normaler und aufgeladener Attacken, Fernagriffen und Zusatzfähigkeiten wie dem Sprint. Sehr cool: Nach wie vor dürfen wir uns auch unseren eigenen Arm herausreißen und die Gegner damit vermöbeln. Das kann zum Beispiel dann notwendig werden, wenn die fiesen Goblins uns unsere Waffen klauen und an den gierigen Gargoyle-Händler verkaufen – nur damit wir sie anschließend zurückkaufen können. Leider hat MediEvil die Ankaufpreise etwas zu hoch gesetzt, sodass es besonders im frühen Spielverlauf passieren kann, dass wir ohne Waffen dastehen und nur mit Schwierigkeiten genug Geld sammeln können, um uns wieder auszurüsten.

Mit der Orientierung am Original hat Other Ocean aber auch einige Kinderkrankheiten importiert. Ein Beispiel: MediEvil kommt ohne jeden Checkpoint aus. Das ist zwar als “One Try-Erfahrung” entsprechend schwer und auch irgendwo charismatisch, wenn wir Level nur ganz oder garnicht durchspielen können – es birgt aber auch seine Probleme. So können bei vereinzelten Rätseln “Game Breaking Bugs” auftreten. Also Bugs, die ein weiterspielen de facto unmöglich machen. Ein Beispiel: Im Rätselgarten gibt es ein Schachbrett, auf dem wir Figuren umherschieben müssen. Machen wir das ungeschickt, verkeilen sich die Figuren und wir können das Rätsel nicht lösen – und müssen das Level erneut starten. Doof nur, dass das Rätsel das Ende des Levels war und dieser auch erstaunlich lang ausgefallen ist. Diese Probleme halten sich in Summe aber in Grenzen und trüben den Spielspaß von MediEvil nur minimal.

Denn technisch ist es eine absolute Granate. Eine komplett überarbeitete Grafik samt nostalgischem Charme, keine Probleme mit der Framerate, tolles Gegnerdesign und abwechslungsreiche Musik im Hintergrund. Spätestens jetzt ist Sony der König der Remasters!

Unser Fazit:

Wow, wow, wow! Das Remaster zu MediEvil ist einfach nur überragend. Mit dem ersten Mega-Remaster zu Shadow of the Colossus hat Sony gezeigt, wie das auszusehen hat – und mit MediEvil schwingt sich die Playstation 4 endgültig zum stärksten Spiele-Portfolio auf. Neue Grafik, alter Charme und 100% Spielspaß: Was Other Ocean hier gezaubert hat ist unfassbar. Zwar trüben ein paar kleine Probleme mit Rätseln und den 20 Jahre alten Spielmechaniken das Gesamtbild minimal, aber in Summe steht fest: Sowohl Fans des Originals als auch Zocker mit einem Faible für Abenteuer müssen zuschlagen. Auf, auf, Sir Fortesque, rettet die Bürger von Gallowmere!

Wertung: 4.9 out of 5 stars (4,9 / 5)

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