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Die Forscher, die einst eine virtuelle Seuche in WoW untersucht haben, bekämpfen jetzt das Coronavirus

Forscher, die 2005 eine virtuelle Seuche im MMO World of Warcraft untersucht haben, helfen nun dabei, das Coronavirus zu bekämpfen.

Das Coronavirus Covid-19 hält die Welt noch immer in Schach und bisher lassen sich die Folgen dieser Pandemie nur schwer Abschätzen – vor allem, was das Gesundheitssystem betrifft.

Und hier kommen Forscher ins Spiel, die eine virtuelle Seuche in WoW untersucht haben – den sogenannten “Corrupted Blood”-Vorfall. Hier handelte es sich um eine serverweite Pandemie.

Der Auslöser war ein Patch, der am 13. September 2005 veröffentlicht wurde. Durch diesen Patch wurde ein neues Gebiet namens Zul’Gurub eingeführt, in dem die Spieler gegen einen mächtigen Boss namens “Hakkar den Seelenschinder” antreten konnten.

Eine von Hakkars Fähigkeiten war ein Debuff-Zauber namens “Verderbtes Blut”, der den Spielern einen konstanten Gesundheitsverlust zufügte. Das Problem: Der Debuff konnte sich auch auf Verbündete in der Nähe ausbreiten.

Der Beginn einer virtuellen Katastrophe

Eigentlich sollte dieser Debuff nur während eines Raids andauern. Es gab jedoch einen Bug, der dazu führte, dass der Debuff “Verderbtes Blut” auf die Haustiere von Jägern und Hexenmeistern übertragen wurde, sobald der Raid beendet war, was bedeutete, dass er auf andere Spieler an anderen Stelle im Spiel übertragen werden konnte.

Und genau das passierte auch. Der Debuff tötete aufgrund des hohen Schadens Spieler mit niedrigerem Level innerhalb von Sekunden. Die Seuche breitete sich wie ein Lauffeuer aus und tötete sogar NPCs.

Die Idee einer Epidemie in einem MMO faszinierte Wissenschaftler, die das Spiel spielten. Sie sahen in der WoW-Krise ein Instrument zur Modellierung künftiger Epidemien und schrieben eine Arbeit darüber. Mehr als ein Jahrzehnt später helfen sie nun, Leben zu retten, indem sie Covid-19 untersuchen.

Mit PCGamer haben die Co-Autoren Lofgren und Nina Fefferman über parallelen der virtuellen Suche und dem Coronavirus gesprochen. Dr. Eric Lofgren arbeitet mittlerweile an der Washington State University in einem der US-Bundesstaaten, die bisher am stärksten vom Coronavirus betroffen sind.

Lofgrens Forschung konzentriert sich auf “mit dem Gesundheitswesen verbundene Infektionen”, was bedeutet, dass er und seine Kollegen daran arbeiten, zu verstehen, wie stark sich Covid-19 auf das US-amerikanische Gesundheitssystem auswirken wird. Das bedeutet, Daten darüber zu sammeln und zu analysieren, wie wahrscheinlich es ist, dass Patienten ins Krankenhaus eingeliefert werden und Atemschutzmasken benötigen und wie wahrscheinlich es ist, dass sich die Infektion auf die Ärzte und Krankenschwestern ausbreitet, die sich um sie kümmern.

“Eines der Dinge, die wir feststellen, wenn wir sowohl Wuhan als auch Italien betrachten, ist die enorme Nachfrage nach dem Gesundheitssystem und das ist hier in den USA ein wirklich ernstes Problem”, sagt er. “Wir müssen also im Wesentlichen überprüfen, was eine Reihe von Krankenhäusern gerade tut, uns vorbereiten und uns ein bisschen auf das Schlimmste einstellen.”

“Für mich war es [die WoW-Forschung] ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig es ist, das Verhalten der Menschen zu verstehen”, sagt er. “Wenn Menschen auf Notfälle im Bereich der öffentlichen Gesundheit reagieren, wie diese Reaktionen den Verlauf der Dinge wirklich beeinflussen. Wir betrachten Epidemien oft als solche Dinge, die Menschen passieren. Es gibt ein Virus und es tut Dinge. Aber es ist wirklich ein Virus, das sich zwischen Menschen verbreitet und wie Menschen interagieren und sich verhalten und Autoritätsangaben einhalten oder nicht, das sind alles sehr wichtige Dinge. Und auch, dass diese Dinge sehr chaotisch sind. Man kann nicht wirklich vorhersagen, ‘oh ja, jeder wird unter Quarantäne gestellt. Alles wird gut.” Nein, werden sie nicht. “

Corrupted Blood war sehr ärgerlich für WoW-Spieler, aber natürlich war der “Virus” nicht wirklich gefährlich. Bei Covid-19 ist das anders. Noch wissen wir nicht, wie gefährlich das Virus wirklich ist, aber fest steht: Das Virus wurde stark unterschätzt.

Das Problem mit einer niedrigen Sterblichkeitsrate, so Dr. Lofgren, ist, dass es so aussieht, als sei es keine große Sache: “Außer eine kleine Zahl multipliziert mit einer großen Zahl kann immer noch eine wirklich große Zahl sein.”

Es geht nicht um das individuelle Risiko, sondern um das Risiko, das man für andere darstellt, deren Anfälligkeit für Covid-19 für einen selbst möglicherweise nicht erkennbar ist.

Die WoW-Forschung stand jedoch in der Kritik, da der Vergleich der Seuche in WoW zu einem echten Virus hinke, weil es in der echten Welt Menschen das Virus nicht absichtlich weitergeben. Aber es gibt Menschen, die unvorsichtig handeln und sich nicht schützen und das kommt der Situation im Spiel laut Lofgren ziemlich nahe.

“Man fängt an, Leute zu sehen, die sagen: ‘Och, für mich ist das keine große Sache. Ich werde mein Verhalten nicht ändern. Ich werde aufs Konzert gehen und meine alte Großmutter trotzdem besuchen.’

Macht das vielleicht nicht. Das ist die große Erkenntnis. Epidemien sind ein soziales System. Die Ernsthaftigkeit von etwas runterzuspielen, ist eine Form von Real-World Griefing”, so Dr. Lofgren.

Dr. Nina Feffermann, die Mitautorin der Studie, erklärte, dass die Arbeit von damals von unschätzbarem Wert sei, wenn es darum geht, die soziale Seite von Epidemien zu verstehen.

“Es hat mich dazu gebracht, tiefgreifen darüber nachzudenken, wie Menschen Bedrohungen wahrnehmen und wie Unterschiede in dieser Wahrnehmung ihr Verhalten verändern können”, so Dr. Fefferman. “Seitdem habe ich viel versucht, Modelle für die soziale Konstruktion der Risikowahrnehmung zu entwickeln, und ich glaube nicht, dass ich so leicht dazu gekommen wäre, wenn ich nicht über die Diskussionen nachgedacht hätte, die WoW-Spieler in Echtzeit über Corrupted Blood geführt haben und wie man im Spiel agiert, basierend auf dem Verständnis, das sie aus diesen Diskussionen aufgebaut haben.”

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Das denken wir:
Hoffen wir einfach, dass wir das Schlimmste bald überstanden haben. Passt auf euch auf!

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