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Moons of Madness im Test – Lovecraft auf dem Mars

Moons of Madness ist das neueste Spiel des schwedischen Entwicklerstudios Rock Pocket Games. Es bringt Lovecraft-Ästhetik auf den Mars und verspricht ein gruseliges Adventure an der Grenze zwischen Wahn und Sinn. Was der Horror-Ausflug auf den roten Planeten bietet, das klärt der Test.

Das kommt uns bekannt vor: Moons of Madness spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft, in der die Menschheit auf der Suche nach neuem planetaren Lebensraum den Mars besucht und im Rahmen einer Forschungsmission Daten sammeln möchte. Shane Newehart ist Mechaniker auf der Marsstation Trailblazer Alpha der privaten Orochi-Gruppe und hält den Laden technisch am Laufen, während seine Forscherkollegen Daten über die mutmaßliche Bewohnbarkeit des roten Planeten an Mutter Erde sendet.

Entsprechend gestaltet sich ein Teil der insgesamt ungefähr sieben Stunden umfassenden Spielzeit: mit Mechanikeraufgaben. So sollen wir beispielsweise bereits zu Spielbeginn den Strom einer ausgefallenen Solaranlage wiederherstellen. Nach und nach mischt sich aber immer mehr Seltsames in den Alltag und wir entdecken Silhouetten auf der eigentlich lebensfeindlichen Marsoberfläche. Spätestens wenn wir nach einem Außeneinsatz zur Station zurückkehren und ein von Tentakeln überwuchertes Gewächshaus vorfinden, beginnt der Schrecken.

So zumindest der Plan der Entwickler RockPocket Games , denn wirklich gruselig ist Moons of Madness leider nicht geworden. Wer eine Sci-Fi-Meisterleistung ala Alien Isolation erwartet hat, dem reiße ich das Pflaster schnell ab, denn mehr als ein paar gescriptete Jumpscares fährt Moons of Madness nicht auf. Ohne die Details der späteren Story zu verraten: So manche potentiell sehr spannende Szene in Moons of Madness wird durch fehlerhafte K.I. und Bugs entschärft und verliert seinen Schrecken schnell. Es versucht eine latente Grusel-Atmosphäre aufzubauen, scheitert daran aber. Wer dennoch ein paar angespannte Momente erleben möchte, der spielt Moons of Madness ohne seine Taschenlampe und mit Kopfhörern. Warum gerade Ersteres aber technisch schwierig ist, das klären wir an späterer Stelle.

Moons of Madness macht aus seiner Inspiration keinen Hehl: Die Horror-Geschichten über alte Götter, die Menschen in den Wahnsinn treiben und das Schlagwort des kosmischen Horrors stammen aus der Feder des Kultsautors H.P. Lovecraft. Einer der einflussreichsten Horrorautoren aller Zeiten diente offensichtlich als Vorlage für Moons of Madness. Was in der Theorie gerade für mich als eingefleischter Lovecraft-Fan wundervoll klingt, haut mich leider weniger aus den Latschen als viele, wesentlich gruseligere Releases der letzten Jahre. Die Bücher von Lovecraft gehören zur spannendsten Literatur, die man lesen kann – davon ist in Moons of Madness leider nicht viel übrig geblieben. Ich behaupte sogar, dass man mehr Spaß mit dem Titel hat, wenn man beim Spielen nicht an Lovecraft denkt.

Mit seinen kurzen sieben Stunden und der netten Balance zwischen alltäglicher Mechaniker-Arbeit und kosmischem Wahnsinn fällt Moons of Madness immerhin kurzweilig aus – Platz für große Längen ist in den sieben Stunden kaum. Während wir an einer Stelle noch unseren Raumanzug Schritt für Schritt mit Sauerstoff befüllen, Systeme reparieren und über Funk mit unseren Kollegen blödeln, jagen uns kurz darauf Lovecraft-artige Kreaturen durch die verwinkelten Gänge der Marsstation. Hier gilt es dann, Türen mit Werkzeugen zu öffnen, Puzzles zu lösen und überhaupt einen Überblick über die geöffneten Türen zu bewahren.

Die wirkliche Herausforderung sind hier nicht die Gegner, sondern die oft hakelige Steuerung. Das Aufheben von Gegenständen und die Interaktionen mit den in die Umgebung eingebauten Menüs sind fummelig und machen so manches Puzzle aufwendiger, als es sein müsste. Deswegen gestaltet sich der eingangs vorgeschlagene Durchlauf ohne Taschenlampe sicher als schwierig – die Items zu erwischen ist selbst mit Taschenlampe kein Spaß. Dazu kommen die etwas zu selten gesetzten Checkpoints, zu denen wir bei Fehlern samt stattlicher Ladezeit zurückgesetzt werden. Moons of Madness ist ein klassischer Fall von gut gemeinter Story und mangelhafter Mechanik.

Auch technisch läuft nicht alles rund. Moons of Madness krankt an gelegentlichem Stottern der Framerate und so mancher matschiger Textur. Während die Raumstation selbst schön und detailreich ist und kleine Post-Its oder Logs zum Entdecken einladen, fallen in anderen Umgebungen matschige Texturen auf. Da wäre sicher mehr drin gewesen. Schade!

Unser Fazit:
Moons of Madness hat es gut gemeint. Lovecraft auf dem Mars? Das hat richtig Potential! Leider stehen dem Erlebnis technische Probleme und zu wenige Schockmomente entgegen. Moons of Madness ist ein kurzweiliges und gerade zu Beginn noch unterhaltsames Abenteuer, das hoffentlich in einem weiteren Ableger aus seinen Fehlern lernt und seinem Konzept alle Ehre macht.

Wertung: (3,2 / 5)

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