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Tell me why im Test – Ein Spitzen-Adventure

Mit Tell me why ist am 27. August der neueste Titel aus dem Hause DONTNOD erschienen. Das französische Studio hinter Life is Strange und Life is Strange 2 hat mit Tell me why ein bislang einzigartiges Abenteuer veröffentlicht. Was Tell me why so besonders macht und ob es die großen Fußstapfen seiner Vorgänger ausfüllen kann, das klärt der Test.

Tyler und Alyson Ronan sind Zwillinge. Die beiden Protagonisten des Story-Adventures Tell me why treffen sich gleich zu Spielbeginn nach 10 Jahren Trennung wieder. Nach dem Tod ihrer Mutter Mary-Ann landet Tyler in einer Einrichtung für Schwererziehbare, er und Alyson verlieren sich aus den Augen. Zu Beginn ist unklar, was mit der Mutter der beiden Zwillinge geschehen ist und wieso Tyler in der Fireweed-Einrichtung gelandet ist.

Als die beiden sich schließlich wieder treffen, ist von der langen Pause nichts zu merken: Die enge Beziehung zwischen den Zwillingen ist unverändert. Die Beziehung ist sogar so eng, dass sie übernatürliche Gestalt annimmt. Alyson und Tyler teilen sich lebendige Erinnerungen und eine innere Stimme, mit der sie telepathisch kommunizieren. Direkt von der Fireweed-Einrichtung machen sich die Zwillinge zum ehemaligen Elternhaus auf, um es auf einen geplanten Verkauf vorzubereiten. Dabei entdecken Sie erschreckende Details über ihre Mutter und ihre gemeinsame Vergangenheit.

Die Story von Tell me why ist richtig spannend

Weitere Details wollen wir eurer eigenen Entdeckung überlassen, aber eines sei gesagt: Tell me why hat einige erzählerische Granaten geladen und wird bereits in der Mitte des ersten der insgesamt drei Kapitel richtig spannend. Etwas merkwürdig ist aber, wie leicht die paranormale Verbindung zwischen den Geschwistern akzeptiert wird. Keine Aufregung oder Skepsis: Wenn ich eine fremde Stimme in meinem Kopf hören und gemeinsam über vergangene Erinnerungen halluzinieren würde, würde da mehr als ein Schulterzucken kommen. Aus der ersten Erkenntnis der Geschwister hätte DONTNOD sicher mehr basteln können.

Tell me why ist ein waschechtes Story-Adventure, in dem die Handlung natürlich im absoluten Mittelpunkt steht. Toll eingesprochene Dialoge, die zwischen alltäglichen Themen wie einem Lebensmitteleinkauf und der harten Vergangenheit der Zwillinge pendeln, mischen sich unter die grandiose Geräuschkulisse voller krähender Raben, klimpernder Windspiele und summender Computer. Auch Tell me why ist wie schon Life is Strange ein ziemlich mitreißendes Erlebnis mit vielen Details.

Vorsicht beim Erkunden!

Aber Achtung: Ihr müsst beim Erkunden vorsichtig sein, wenn ihr keine Details der Dialoge verpassen wollt. Leider erlaubt uns Tell me why ohne jeden Hinweis weiter mit der Umgebung zu interagieren, ohne das bisherige Gespräch abzuschließen. Stattdessen bricht der Sprecher mitte im Satz ab und beginnt das nächste Thema. So haben wir einige spannende Dialoge vorzeitig beendet. Schade!

Mit Tyler haben DONTNOD eine Neuerungen gewagt. Das Besondere an ihm: Er ist ein Trans-Mann. Obwohl Trans-Männer oder -Frauen quasi nie als Figuren in Videospielen auftauchen und DONTNOD ein waschechtes Novum aufbietet, so bleibt der sonst bei diesem Thema schnell erhobene Zeigefinger in Tell me why unten – von ausschweifender Gesellschaftskritik ist in Tell me why wenig zu finden. Natürlich sind Klimawandel, Tierschutz & Co. aus den Gesprächen zweier junger Erwachsener im Jahr 2020 nicht wegzudenken, eine moralische Keule schwingt Tell me why glücklicherweise aber nicht.

Stattdessen erzählt das Pariser Studio gewohnt überzeugend die all zu menschliche und eindringliche Geschichte zweier Geschwister, die sich von Schicksalsschlägen und schwierigen Lebensentscheidungen nicht unterkriegen lassen. Es ist eine Geschichte einer zerrütteten Familie, eines großen Traumas und eines schwierigen Lebenswegs. Die Tatsache, dass Tyler ein Trans-Mann ist, wird nicht zum Selbstzweck der Charakterentwicklung. Es bleibt zwar ein Kernbestandteil der Geschichte, Tyler bietet dennoch genug Facetten, um außerhalb seiner Identifikation ein spannender Charakter zu sein. Sehr schön!

Wie sich die Handlung und die Beziehung zwischen Tyler und Alyson entwickelt, das können wir allerdings mitbestimmen. An Schlüsselstellen in der Geschichte entscheiden wir uns zwischen verschiedenen Antworten, Reaktionen und Handlungen, die den weiteren Ablauf der Story stark beeinflussen. Auch können wir an verschiedenen Stellen gemeinsame Erinnerungen aus der Kindheit entdecken, die sich auf die Handlung auswirken. Was unsere Entscheidungen bewirken, das verrät uns wie schon in Life is Strange eine Übersicht am Ende eines jeden der drei Kapitel.

Unser Fazit:

Bei der Ankündigung von Tell me why war ich etwas skeptisch. Groß war meine Sorge, dass sich die Entwickler beim Charakterdesign auf dem Novum eines Trans-Mannes als Protagonisten ausruhen könnten. Die Sorge ist unberechtigt: Tell me why ist ein richtig gutes Adventure.

Tolle Dialoge, interessante Figuren und eine spannende Geschichte machen Tell me why zu einem würdigen Nachfolger von Life is Strange. Wer das mochte, darf gerne zuschlagen.

Wertung: 4.6 out of 5 stars (4,6 / 5)

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