in

Mullet Madjack im Test: Ein Adrenalinrausch, den ihr so schnell nicht wieder vergessen werdet

Wir verraten euch in unserem Test, wie gut der Retro-Anime-Shooter Mullet Madjack ist und für wen sich ein Kauf lohnt.

Findet ihr nicht auch, dass sich unsere Welt in letzter Zeit immer schneller und teilweise leider auch in eine falsche Richtung dreht? Ihr wisst schon was ich meine: Inflation, die das Leben für viele unerträglich teuer macht, Influencer, die ein Fake-Leben auf Social-Media-Plattformen führen und die Jugend dadurch in die Depression treibt, Künstliche Intelligenzen, die uns schon jetzt in vielen Bereichen überlegen sind und uns früher oder später vermutlich versklaven werden und eine gesellschaftliche Gleichgültigkeit, die so niederschmetternd ist, dass man sie eigentlich nur durch eine Retro-Sonnenbrille mit Vokuhila-Frisur und Lolli im Mund ertragen kann.

Wenn das so weitergeht, wie eben beschrieben, dann möchte man sich gar nicht vorstellen, wie die Welt im Jahr 2090 aussehen könnte. Aber genau das haben die Macher des Spiels Mullet Madjack getan und sich ein dystopisches Szenario erdacht, in der die Welt von einer superreichen KI regiert wird. Roboter namens “ROBILLIONÄRE” haben die berühmteste Influencerin entführt. Ihr übernehmt die Rolle von Mullet Madjack, dessen Aufgabe es ist, die Influencerin zu retten, denn er ist ein sogenannter Moderator.

Lebenswichtige Likes

Moderatoren sind süchtig nach Dopamin und um ihre Sucht zu befriedigen, machen sie für die PEACE Corp. gegen eine Dosis Jagd auf Roboter. Die PEACE Corp. entwickelte das Peace System. Hier handelt es sich um eine App, die es einem Moderator erlaubt, Aufgaben zu erledigen, die zur Unterhaltung der gelangweilten Gesellschaft live ins Netz gestreamt werden. Dafür erhält er Likes, die direkt in seiner Blutbahn landen.

Das Problem: Ohne ausreichend Dopamin stirbt der Moderator. Er hat 10 Sekunden von Dopaminschuss zu Dopaminschuss. Für jeden Robo-Kill bekommt er weitere 10 Sekunden von den Zuschauern spendiert. So muss er sich von Kill zu Kill einen Weg durch die Levels Bahnen. Mit anderen Worten: Wer sich als Moderator versucht, der sollte die Zuschauer nicht lanngweilen. Das ist tödlich.

Linearer Adrenalinrausch

Die Levels sind sehr linear und kurz gehalten. Für die meisten benötigt man keine Minute. Der Ablauf sieht so aus: Das Level startet, ihr stürmt los und versucht so schnell wie möglich einen Gegner nach dem anderen zu erledigen, um es so schnell wie möglich ins Ziel zu schaffen. Danach wählt ihr einen von drei Boni, der euch beim nächsten Run zur Verfügung steht. Zu diesen Boni kommen wir gleich.

Um eure Feinde zu erledigen, stehen euch verschiedene Schuss- und Nahkampfwaffen zur Verfügung. Alternativ schleudert ihr sie mit einem kräftigen Tritt beispielsweise in einen Stromkasten oder ein Lüftungsrotorblatt. Ab und an findet ihr auch Waffen wie Hämmer oder Macheten im Level herumliegen, mit denen ihr jeweils einmal einen brutalen One-Hit-Kill asuführen könnt.

Pro Kill werdet ihr – auf dem normalen Schwierigkeitsgrad – mit zwei Sekunden Lebenszeit belohnt und wenn ihr getroffen werdet, dann verliert ihr zwei Sekunden. In manchen Räumen stehen auch Getränkeautomaten herum, die ihr entweder abschießen oder treten könnt, um eure Lebenszeit wieder aufzufüllen. Übrigens: Wenn ihr sterbt, dann müsst ihr wieder von ganz unten anfangen. Checkpoints gibt es nur in jedem zehnten Stockwerk.

Die euch verbleibenden Sekunden seht ihr im Smartphone in der linken unteren Bildschirmecke. Da das Spielgeschehen so schnell abläuft und ihr ständig damit beschäftigt seid, den nächsten Gegner zu erledigen, habt ihr aber kaum Zeit, euch auf das Smartphone zu konzentrieren. Zum Glück wird die Lebenszeit auch farblich hervorgehoben, was etwas dabei hilft, den Überblick über die Gesundheit zu behalten. Ist das Display eures Smartphones grün, dann ist alles gut. Färbt es sich gelb, dann solltet ihr keine Zeit verlieren und den nächsten Robo-Fiesling ins Nirvana schicken.

Nach 10 gemeisterten Stockwerken müsst ihr euch jeweils einem der zu Beginn erwähnten Robo-Milliardäre stellen. Hier gibt es keinen Timer. Dafür halten Bosse aber wesentlich mehr aus als Standardgegner und verfügen über deutlich mehr Feuerkraft. Hier geht es vor allem darum, Angriffsmuster zu durchschauen und in den richtigen Momenten auszuweichen und anzugreifen – eine willkommene Abweschlung. Die Bosskämpfe sind meiner Meinung nach jedoch etwas zu einfach. Hier hätten die Entwickler, was die Schwierigkeit betrifft, ruhig noch eine Schippe draufpacken können.

Übrigens stehen sieben Schwierigkeitsgrade zur Wahl. Hier sollte jeder eine passende Einstellung finden. Beispielsweise könnt ihr den Timer ganz deaktivieren, aber ohne verliert der Titel deutlich an Reiz. Wer es richtig schwierig mag, der aktiviert Permadeath. Hier habt ihr nur ein Leben, es gibt keine Checkpoints und Gegner gewähren euch nur eine zusätzliche Sekunde anstatt zwei.

Die Qual der Upgrade-Wahl

Schließt ihr eine Etage ab, dann kommen die Roguelike-Elemente ins Spiel. Es stehen immer drei Upgrades zur Wahl, von denen ihr eines auswählen könnt. Beispielsweise könnt ihr eine neue Waffe wählen, die einen großen Einfluss auf den Spielstil haben. Steht ihr eher auf Nahkampf, dann wählt ihr ein Katana, das man übrigens auch werfen kann. Alternativ gibt es auch eine Pistole, eine SMG, eine Schrotflinte, ein Plasmagewehr und eine Railgun.

Andere Upgrades gewähren euch beispielsweise die Chance auf explodierende Feinde, Bonus-Lebenszeit, wenn ihr Gegner zwischen den Beinen trefft, eine eröhte Bewegungsgeschwindigkeit oder eine verringerte Gesundheit des nächsten Bossgegners. Insgesamt erwarten euch über über 50 Power-Ups, die es euch ermöglichen, einen ganz eigenen Build zu erstellen.

Nach jedem zehnten Stockwerk, beziehungsweise nach jedem erledigten Boss dürft ihr euch über ein permanentes Upgrade freuen. Zur Wahl stehen etwa die Möglichkeit, Waffen aufzuleveln oder die Möglichkeit, die zufälligen Upgrades auf drei Stockwerken auszutauschen, wenn euch diese nicht passen.

Retro trifft auf Anime trifft auf Cyberpunk

Der Style des Spiels ist wirklich erste Sahne. Die Entwickler haben sich große Mühe dabei gegeben, ein Retro-Setting zu erschaffen, das herrlich schön überzogen ist und bei Fans von klassischen Animes und Cyberpunk an jeder Ecke für nostalgische Gefühle sorgen dürfte.

So ließen sich die Macher für das Design des Helden beispielsweise von Guts, dem Protagonisten des Mangas und Animes Berserk von Kentaro Miura inspirieren. Für die Gesaltung des Autos von Mullet Madjack dienten Klassiker wie Akira, Gunsmith Cats und Riding Bean als Vorlage.

Insgesamt spürt man die Liebe der Macher zur Thematik überall. Die Animationen sind cool in Szene gesetzt, die Gegenstände wurden liebevoll gestaltet und die knalligen Farben und Effekte runden das Gesamtpaket absolut überzeugend ab.

Abgesehen davon wird das Ganze von einem tollen Synthwave-Soundtrack begleitet, der super zur Over-the-Top-Retro-Action passt.

Wann ist zu viel zu viel?

Dieser visuelle Overload gepaart mit der rasanten Over-the-Top-Action hat aber seinen Preis: die Übersicht geht sehr leicht verloren. Während ich so durch die Levels gedasht bin, ist es mir immer mal wieder passiert, dass ich nicht mehr genau wusste, in welche Richtung ich lief oder blickte, was dazu führte, dass ich Gegner verpasste und ich schließlich ein virtuelles Leben verlor. Sowas ist nervig.

Ich verstehe zwar, dass das Teil des Konzeptes des Spiels ist, aber ich bin mir sicher, dass einige Spieler nicht lange Spaß mit Mullet Madjack haben werden, da es schlicht und einfach anstregend ist, ohne Pause von Stockwerk zu Stockwerk zu jagen, während einem die Reizüberflutung die Sicht vernebelt.

Gleichzeitig vermittelt aber genau dieses Konzept, diese Geschwindigkeit, dieser Zeitdruck, dieses Hetzen nach Likes perfekt die Kritik, die die Macher durch diesen Titel spielerisch an unserer Gesellschaft üben. Wir alle, der eine mehr, der andere weniger, sind immer wieder auf der Suche nach schnellen Dopaminschüben und dass das auf Dauer nicht gut sein kann, spürt man, nach einer Stunde Mullet Madjack. Das Herz klopft, man ist erschöpft und freut sich auf eine Pause. Aber sobald der Dopaminspiegel gesunken ist, startet man das nächste Spiel.

Ach ja, ihr solltet aber die Finger von diesem Spiel lassen, wenn ihr lichtempfindlich seid, denn was hier alles im Sekundentakt auf die Netzhaut ballert, ist mit Sicherheit für einige Spielerinnen und Spieler zu viel. Die Epilepsie-Warnungen, die man bei vielen anderen Titeln häufig achselzuckend ignoriert, sollte man hier auf jeden Fall ernst nehmen.

Nachschlag gefällig?

Habt ihr alle neun Kapitel abgeschlossen, wofür ich etwa 8 Stunden benötigte, dann könnt ihr euch am Endlos-Modus versuchen, in dem ihr jede Etage des Spiels zufällig durchlauft, bis ihr das Zeitliche segnet. Es gibt auch verschiedene Ranglisten, die ihr erklimmen könnt. Da das Spielprinzip motiviert, sehe ich hier durchaus Wiederspiel-Potenzial. Hier bleibt nur zu hoffen, dass die Entwickler irgendwann weitere Inhalte, wie neue Bereiche, Waffen und Upgrades nachliefern, um für Abwechslung zu sorgen.

Darüber hinaus haben die Macher auch daran gedacht, ein nettes Extra für alle Fans von physischen Videospielen einzubauen. Über den Menüpunkt “Unboxing” könnt ihr eine digitale Box-Version von Mullet Madjack auspacken. Es gibt sogar Bonusinhalte, die ihr begutachten könnt. Das ist wirklich cool und verdient einen Nerd-Bonuspunkt.

Über diesen Link gelangt ihr auf die Steam-Seite des Spiels, wo ihr eine Demo findet.

Weitere News, Infos und Videos zum Thema “Ego-Shooter” haben wir hier für euch.

Fazit:
Mullet Madjack ist die Sorte von Spiel, von der ich mir nicht viel erwartet habe, die mich aber trotzdem immer wieder vor den Screen lockt, denn das Setting ist cool, die Action ist intensiv und die Roguelike-Elemente ergänzen das Spielgeschehen sinnvoll. Hier erwartet euch ein Adrenalinrausch, den ihr so schnell nicht wieder vergessen werdet.

Fans von Anime-Klassikern und Retro-Cyberpunk, die auf schnelle Ego-Shooter stehen, werden hier mit Sicherheit auf ihre Kosten kommen. Wer hingegen Entspannung sucht und sich leicht stressen lässt, der ist hier völlig Fehl am Platz.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert